Ich bin an meinen Gefühlen gewachsen (Mann, 40)
Wie viele Paare
hatten wir schöne, sehr schöne Zeiten, in welchen wir Eins
waren und in unserer ersten Verliebtheit unbeschwert und voller
Verständnis für den Partner durchs Leben gingen. Als nach ein
paar Jahren das erste Feuer etwas nachgelassen hatte, wurden wir immer
öfter mit Alltagssituationen konfrontiert, welche nicht einfach
mit einer sachlichen, objektiven Diskussion zu lösen waren. Ich
hatte mich schwer getan, Alltagsprobleme in der Partnerschaft anders
anzugehen als im Berufsleben und habe meine Partnerin, die die Probleme
auf eine andere Art lösen wollte, oft nicht verstanden. Ich habe
die angespannte Situation in unserer Beziehung nicht länger
ertragen wollen und habe eingewilligt, zusammen mit meiner Partnerin
eine Paartherapie zu beginnen. Um den Effekt der Paartherapiesitzungen
zu verstärken und den Prozess zu beschleunigen, wurden wir von
unserer Paartherapeutin nach ein paar Einzelsitzungen auf die Methode
der "Paarsynthese" aufmerksam gemacht. Nach einigem Zögern konnte
ich mich für diesen Schritt entschliessen und wir haben uns
für das Paarseminar "Liebe lernen in der Paarsynthese" der
Vereinigung Paarsynthese Schweiz entschieden. Obwohl ich anfangs
skeptisch war gegenüber einer Paartherapie in der Gruppe, habe ich
in den Seminaren schnell begriffen, dass nur tiefgründige
Verbundenheit, der Austausch von Gefühlen und die Überwindung
von Scham einen Ausweg aus unserer Situation bringen würden.
Es waren vier sehr intensive und sehr kräfteraubende Seminare,
welche mich psychisch und physisch sehr gefordert haben - und dennoch,
es war ein schönes Gefühl! Ich habe gelernt, dass das
Wahrnehmen und Ausdrücken meiner Gefühle wie Angst, Scham,
Wut oder Trauer nicht als Schwäche der eigenen Männlichkeit,
sondern als Chance für eine intime, verständnisvolle und
lustvolle Liebesbeziehung ist.
Seit dem ersten Basiskurs haben wir mit voller Begeisterung einen
ersten Aufbaukurs belegt. Ich bin voll begeistert und überzeugt
davon, dass ich mit all den Erfahrungen aus den Seminaren
männlicher, ganzheitlicher und liebenswerter geworden bin...
Auf dem Weg zur Liebe zu mir (Frau, 43)
Ich mag mich noch gut an die damalige Zeit erinnern, als ich mit 18
dieses erste grosse Liebesgedicht geschrieben hatte. Die Absolutheit
meiner Gefühle, ohne Zweifel an dir, an mir - und voller
Zuversicht und Gewissheit:
Manchmal bin ich mir so fremd – durch dich kann ich mich besser verstehen
Manchmal treffe ich nur verschlossene Türen an – zu dir kann ich immer kommen
Manchmal bin ich so hoffnungslos – mit dir möchte ich suchen
Manchmal fühle ich mich so nichtig – du gibst mir das Gefühl jemand zu sein
Manchmal bin ich so mutlos – mit dir möchte ich alles wagen
Manchmal gehe ich immer im Kreise – mit dir kann ich ausbrechen
Manchmal bin ich so ziellos – du zeigst mir einen Weg
Manchmal sehe ich alles so düster – du bringst das alles überstrahlende Licht
Manchmal bin ich so eingeschränkt – in dir möchte ich mich ausbreiten
Manchmal verleugne ich mich selbst – bei dir kann ich ICH sein
Manchmal bin ich so ruhelos – bei dir möchte ich bleiben
Danke
Es berührt mich heute - 25 Jahre später - nicht nur angenehm,
wie ich meine Entwicklung von dir abhängig gemacht habe, alles war
auf dich gerichtet. Nun ist es an der Zeit, diese Gefühle von
deiner Person weg und hin zu mir zu richten. Es ist an der Zeit, das
Gedicht umzuschreiben:
Noch immer bin ich mir manchmal fremd – dank dir und allen anderen Beziehungen kann ich mich immer besser verstehen
Und treffe ich verschlossene Türen an – so will ich mich selbst immer willkommen heissen
Manchmal bin ich hoffnungslos – mit dir habe ich gesucht, vieles gefunden, ich werde weiter suchen
Manchmal
fühle ich mich so nichtig – ich bin auch jemand ohne dich.
Kein Mensch kann mir auf die Dauer das Gefühl geben, jemand zu
sein – nur ich selber, ich muss es immer wieder spüren
Manchmal bin ich mutlos – ich wage nun mein Leben – sei es mit dir, sei es ohne dich
Manchmal
drehe ich mich im Kreise – wir beide haben uns im Kreise gedreht
und viele Schlaufen gezogen – wir beide müssen nun ausbrechen
Manchmal
bin ich so ziellos – unsere Wege trennen sich, auch wenn ich
nicht weiss wohin sie uns führen – ich vertraue, vertraue
meinen Gefühlen, meiner inneren Stimme
Und
wenn ich manchmal alles düster sehe – so habe ich in meinem
Leben genügend erfahren, dass es wieder heller wird, dass mein
inneres Licht bleibt, auch wenn ich keinen Zugang zu ihm finde
Manchmal
bin ich so eingeschränkt – heute weiss und spüre ich,
wie ich es selbst bin, die mir die Flügel stutzt und wie es an mir
liegt, mich auszubreiten
Manchmal
verleugne ich mich selbst – ich spüre, wie sehr ich noch
immer liebe Blicke, Wohlwollen und Sicherheit brauche, um ganz mich
selbst zu sein – und dass darin die grösste Herausforderung
liegt, auch ohne Liebesbeziehung mich zu sein, ICH zu werden
Manchmal
bin ich so ruhelos – was ich heute nicht mehr sagen würde
– aber die Sehnsucht treibt mich immer weiter und dafür bin
ich dankbar.
Liebesgedicht (Frau, 49)
Ganz unverhofft haben sich unsere Seelen berührt
eine wunderbare Begegnung, geborgen in der Unendlichkeit
gehalten auf Flügeln, verbunden mit dem Universum
im urreinen Daheim
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